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Wenn die Göttin Kali in dein Leben tritt

Ich habe dir vertraut,

zu hundert Prozent,

ich habe dir mein zerbrechlichstes, zartestes Allerinnerstes an-vertraut,

weil ich dachte, dass du, unter allen, jemand bist, der mich nie verletzen könnte auf einer so tiefen Ebene,

weil ich dachte, dass ich mich

- nach allem -  

bei dir sicher fühlen kann,

dass du im Herzen ein wahrer Mann bist, der mich nicht verraten, sondern mir mit Mut, Offenheit und Klarheit begegnen und mich schützen wird,

dass du mein zaghaftes, verletzliches, weibliches Erblühen nicht so grob niedertrampeln wirst,

dass ich es dir Wert bin, ehrlich zu mir zu sein,

auch wenn das manchmal unbequem ist und du über deinen Schatten springen musst,

dass ich es Wert bin,

einfach nur so,

weil ich es bin,

nicht weil ich um deine Ehrlichkeit gekämpft oder erfolgreich Machtspielchen mitgespielt habe,

einfach nur, weil du mich sehen kannst,

wie ich bin,

und weil ich dir etwas bedeute,

weil du dir wünschst,

dass es mir gut geht auf meinem Weg,

dass meine Seele erblühen möge

in den schönsten Blüten

und strahlen darf

vor Glück und Freude

gut genährt auf dem Boden von

Sicherheit und

Vertrauen.

Ich habe dir vertraut

mit Haut und Haaren,

aus der Tiefe meiner Seele.

Ich habe dir vertraut

und mich geöffnet

für dich,

weil ich mich sicher fühlte

bei dir,

es ist das Wertvollste, das ich dir geben konnte in diesem Leben,

ein Juwel,

mein reines, volles Vertrauen.

 

Dass gerade du mein Vertrauen,

-  leichtfertig? feige? genussvoll? absichtlich? … ich weiß es nicht -

so sehr missbrauchst,

so tief miss-brauchst,

ist das,

was mich in der Tiefe meines Körpers und meines Herzens nun erschüttert,

was mich in jeder Zelle schmerzt

und was die tiefste Wunde

in meine

 

Seele

 

reißt.

 

 

Eigentlich wollte ich meinen ersten Blog-Artikel etwas sanfter beginnen, aber wenn Kali ruft, dann gibt es kein Entrinnen.

 

Kali, das ist die dunkle Göttin des Todes und der Zerstörung. Eine hinduistische Göttin, die Wildheit, Kraft, Stärke, Weiblichkeit und eine absolute Entschlossenheit und Klarheit verkörpert. Kali macht keine halben Sachen. Wenn sie beginnt, ihren zornigen Tanz der Zerstörung zu tanzen, ist sie durch nichts zu stoppen. In der indischen Mythologie wird erzählt, dass sie, völlig berauscht durch die Schlacht und das Blut ihrer Feinde, in einen wilden Tanz der Zerstörung verfällt. Selbst ihr männliches Pendant und ihr Gefährte im hinduistischen Götterpantheon Shiva, der selbst auch als Gott der Zerstörung gilt, kann sie nicht wieder beruhigen. Schließlich legt er sich auf den Boden und stellt sich tot, um seine Gemahlin wieder zur Besinnung zu bringen, und erst als Kali auf ihn springt, um auf ihm ihren Tanz weiterzuführen, wird ihr bewusst, was sie tut. Kali ist also das Symbol für eine tiefgreifende, radikale, weibliche Kraft, die – einmal entfesselt – weit darüber hinausgeht, was ihr männlicher Gegenpol an Zerstörungskraft besitzt. Vielleicht zu vergleichen mit einer Löwenmutter, die ihr Baby verteidigt mit einer Kraft und Entschlossenheit und Radikalität, der nichts entgegenzusetzen ist.

Deshalb wird Kali auch „die alles Verschlingende“, aber auch „die Gebärende“ genannt. Sie ist Herrin über die Zeit („kala“), über das Kommen und Vergehen, über Leben und Tod. Und hier, auf den zweiten Blick, kann man erkennen, was die schwarze Kali ebenfalls zu einer der wichtigsten Muttergöttinnen (Kali Ma) macht: sie bringt nicht nur Zerstörung, sondern auch Erneuerung. Sie ist die Göttin einer tiefgreifenden Transformation, welche meist heftig, schmerzvoll und radikal verläuft, aber gleichzeitig verschlossene Türen machtvoll aufreißt, neue Räume öffnet und so neues, frisches Licht und Leben einlädt.

 

Das ist es, was mich an Kali so faszinierte, als sie zum ersten Mal in mein Leben trat. Ich spürte sofort eine starke Verbindung und merkwürdigerweise fühlte ich mich durch sie eher beschützt, auch wenn zu jener Zeit gerade der Sturm der Zerstörung und Transformation über mich hinwegtobte. Meist wird Kali mit vielen Armen dargestellt, in ihren Händen hält sie Messer und einen abgeschlagenen Kopf, oft auch eine Schale, um das Blut aufzufangen, um ihren Hals hängt eine Kette mit Kinderschädeln oder abgeschlagenen Armen und Beinen, sie streckt weit die Zunge heraus, reißt ihre Augen auf und hat wirres, langes Haar – und doch, was mir am meisten auffällt und mich am stärksten berührt, ist die eine Hand, die sie in fast allen Darstellungen trotz ihres schrecklichen Gebärens und Auftretens in einer ruhigen Schutzgeste dem Betrachter entgegenstreckt. In ihrem wilden, rasenden Tanz zeigt die geöffnete Handfläche nach vorne und signalisiert: „Du bist sicher, habe keine Angst. Vertraue darauf, dass alles zu deinem Besten ist. Ich bin an deiner Seite.“

 

In Situationen, in denen man gefühlt alles Vertrauen und alle Sicherheit verloren hat, bringt sie die Botschaft, dass man loslassen und hineinsinken darf in das Chaos und das Bodenlose, und dass da etwas ist, das einen auffängt, das einem wieder neuen Boden unter die Füße schieben wird. Und vielleicht ist dies dann ein grüner, weicher Wald- oder Wiesenboden und nicht mehr der steinige, felsige, den man bislang für den einzigen, wahren Weg hielt. Kali zerstört die Illusion und bringt uns machtvoll zurück ins Hier und Jetzt. „Schau hin!“, sagt sie. Und: „Wach auf!“

 

Und noch etwas hat Kali mir geschenkt. Ich bin ein sanfter, feinfühliger Mensch. Ein Freund gab mir einmal den Spitznamen „Soothing Breeze“. So sah ich mich, so fühlte ich mich, so sahen mich die anderen. Kali hat jedoch etwas in mir berührt, eine große Kraft, einen heiligen Zorn, eine wilde Entschlossenheit, die wohl schon immer irgendwo in mir schlummerte, die mir bis dahin jedoch unbekannt war. Durch Kali wurde nun dieser Anteil in mir zum Leben erweckt, und in bestimmten Situationen, in denen ich mich sonst mit meiner eher sanftmütigen, geduldigen Art klein und ausgeliefert gefühlt hätte, kann ich jetzt deutlich spüren, wie die Kali-Energie in mir aufsteigt und wie ich in einer neuen, entschlossenen, klaren Qualität meine Wahrheiten ausspreche. Das heißt nicht, dass ich nun zu einem jähzornigen, unberechenbaren Menschen geworden bin. Dass ich meinen Kali-Anteil in mir kennenlernen und integrieren durfte, gibt mir mehr Kraft in Situationen, die es erfordern, ein bisschen weniger nett und sanftmütig zu sein, und stattdessen entschiedener und kraftvoller meine Grenzen zu setzen und für mich selbst einzustehen. Meist geht es in diesen Situationen interessanterweise darum, für mehr weibliche Qualitäten wie Weichheit, Verletzlichkeit oder Feinfühligkeit einzustehen. Kalis Stärke macht also nicht hart und kalt, sondern im Gegenteil: sie gibt den weichen, zarten Anteilen den sicheren Raum, damit sie sich zeigen und erblühen dürfen.

 

Wenn mal wieder die Stürme des Lebens dein Leben durcheinanderwirbeln, vielleicht möchtest du Kali bewusst einladen. Sie nimmt das, was nicht mehr zu dir gehört, löst alle Verbindungen und Stricke, die dir nicht mehr guttun. Und ja, das ist schmerzvoll. Und ja, dieser Schmerz ist tief und weit und groß. Aber vielleicht ist es leichter, diesen Schmerz zu fühlen und gleichzeitig für sich den Raum zu halten, wenn man weiß, da ist diese schützende, segnende Geste ihrer Hand. Was zerstört wird, ist das, was nicht mehr dienlich ist, damit du frei wirst, für das, was wirklich zu dir passt. Damit du werden kannst, wer du wirklich bist.

Give in and let Kali rock your world!

 

 

Chameli Ardagh, eine spirituelle Lehrerin und Gründerin von „Awakening Women“, stellt in ihrem TEDx-Vortrag „The Fierce Face of the Feminine“ sehr anschaulich Kali als weiblichen Archetypen dar. Sehenswert!

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Kommentare: 1
  • #1

    firat von nazilli (Montag, 26 März 2018 23:03)

    ihre stimme hörte ich nun weis ich ihren namen .
    danke