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Die Zeiten dazwischen - the in-between phases of change

 

Es gibt diese Zeiten des Wandels, in denen das Alte sich noch nicht verabschiedet hat und das Neue noch hinter dem Horizont verweilt, noch nicht sichtbar, noch nicht greifbar, nicht mehr als eine bloße Ahnung, ein vages, gewispertes Versprechen, eine ferne Hoffnung. Lerne, diese Zeiten liebzuhaben.

 

Es gibt diese Zeiten des Wandels, in denen du glaubst, vor Ungeduld fast zerspringen zu müssen. Das aktuelle Leben fühlt sich nicht mehr stimmig an. Ein Missklang hat sich still und leise eingeschlichen, etwas sitzt zu eng, raubt dir die Luft zum Atmen, schränkt deine Beweglichkeit ein, erdrückt deine Lebendigkeit. Du siehst den Mangel, den Druck, die Enge und würdest am liebsten alles abwerfen, hinter dir lassen, fliehen. Doch du weißt noch nicht wohin. Lerne, diese Zeiten liebzuhaben.

 

Es gibt diese Zeiten des Wandels, in denen du weißt, dass es Zeit ist aufzubrechen, ein Abenteuer zu wagen, etwas Neues willkommen zu heißen. Und du würdest es auch sofort tun, wenn du nur wüsstest, was das Ziel deiner Reise ist, was dich hinter dem Berg erwartet, ob du sicher und wohlbehalten auf der anderen Seite landen wirst, was das Neue ist und wie genau es aussehen wird. Doch all dies verbirgt sich hinter dem Horizont. Du hast keine Sicherheit, keine Gewissheit, keine Garantie, dass es das „Richtige“ ist, was da auf dich wartet. Niemand kann dir sagen, ob es sich lohnt, aufzubrechen. Es ist nicht einmal klar, ob da wirklich etwas hinter dem Horizont auf dich wartet. Du erfährst es nicht – bevor du nicht den Anker lichtest, das Alte loslässt und ohne Sicherheit, ohne Landkarte, ohne Garantie einfach losgehst, mit nichts als deinem Vertrauen im Herzen. Lerne, diese Zeiten liebzuhaben.

 

Es gibt diese Zeiten des Wandels, die uns lehren möchten uns wieder mehr mit unserem Urvertrauen, unserer Intuition, unserer Herzensweisheit zu verbinden, damit wir das wiederfinden, was wir in einer Welt voller Kopflastigkeit und Absicherungen verloren haben. Diese Zeiten möchten uns lehren zu springen, auch wenn wir das Netz unter uns nur erahnen, aber noch nicht konkret sehen können. Sie möchten uns lehren, dass wir eine Entscheidung treffen müssen: Du kannst nicht beides haben, das Alte und das Neue. Du musst bereit sein, etwas zu geben, etwas, das nicht mehr zu dir gehört, aufzugeben. Wenn du loslässt, sind deine Arme frei für das, was dort auf dich wartet. Wenn du Ballast abwirfst, wirst du sanft ins Neue segeln können, nicht wie ein Stein in die Tiefe plumsen. Wenn du trotz all der Unsicherheiten mutig loslässt, wirst du empfangen, Neues entdecken und hinzugewinnen können. Auch wenn du dich unsicher fühlst, dir die Knie zittern, dir die Angst die Kehle zuschnürt: Lerne, diese Zeiten liebzuhaben.

 

Wenn nichts sicher ist, ist ALLES möglich. Es sind diese Zeiten dazwischen, diese „in-between phases“, die uns oft große Angst machen, die wir so schnell wie möglich hinter uns lassen möchte. Doch wenn wir lernen, vertrauensvoll in ihnen zu verweilen, zu beobachten und zu genießen, wie das Neue sich im Verborgenen entfaltet, wenn wir lernen, die Magie des Noch-nicht-ganz-weg und Noch-nicht-ganz-da zu sehen und das verborgene Potential, die Fülle an Möglichkeiten zu erahnen, wenn wir lernen, auf unser Gefühl zu hören und uns an diesen tiefen Ort in uns selbst zurückbesinnen, an dem wir in Kontakt sind mit unserem Vertrauen in den Fluss des Lebens, dann erleben wir die berührende Schönheit dieser Momente, aus denen heraus alles entstehen kann. Und es sind meist wirklich nur Momente, denn viel schneller als erwartet, manifestiert sich das Neue, sind wir wieder auf dem Weg, fest im Sattel, auf einer Lebensschiene, im Rhythmus und Takt, der uns vorgegeben wir oder den wir uns selbst vorgeben. Genieße diese Zeiten des Atemholens, des Stillstands, der unbequemen Unsicherheit, der brennenden Ungeduld, der unbestimmten Sehnsucht. Genieße die Momente des Noch-nicht-Wissens, die einen Schatz bergen und eine nie zuvor dagewesene Fülle an Möglichkeiten. Lerne, diese Zeiten dazwischen, die „in-between phases“, liebzuhaben.

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