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Alles, was zählt, liegt in dir

Du brauchst keinen großen Plan. Alles, was zählt, ist der nächste kleine oder große, mutige Schritt. Erst wenn du ihn gehst, zeigt sich der nächste. Und der nächste. Und der nächste.

 

Du brauchst nicht zu wissen, wohin dich alles führen wird. Alles, was zählt, ist das Vertrauen in deine Intuition, in die göttliche Führung, in dein weises Selbst. Vermutlich wirst du irgendwo ganz anders landen, an einem Ort, von dem zu träumen du nie gewagt hättest.

 

Du brauchst deine Wünsche nicht zu visualisieren. Alles, was zählt, ist deine Hingabe, deine Bereitschaft, ein Gefäß zu sein. So kann das durch dich hindurch ins Leben fließen, wofür du wirklich hier bist.

 

Du brauchst nicht immer glücklich zu sein. Alles, was zählt, ist echt und authentisch zu sein. Du darfst alles fühlen, was gerade da ist. Du darfst unsicher, zweifelnd, unperfekt sein. So bist du zwar manchmal unbequem, aber so bist du auch wahr und ganz.

 

Du brauchst nicht besonders gut sein auf deinem Weg. Alles, was zählt, ist dein Ja zu dir. Dazu gehört auch, dass du lernst, manchmal Nein zu anderen zu sagen, wenn dies eigentlich ein Ja zu dir selbst ist. Manchmal geht es darum, Grenzen einzureißen, manchmal geht es darum, Grenzen zu setzen.


Du brauchst nicht besonders schnell sein auf deinem Weg. Alles, was zählt, sind deine inneren Impulse, die natürlichen Rhythmen und Zyklen. Manchmal geht es darum, mutig aus der Komfortzone zu treten, auch wenn man sich noch nicht bereit fühlt, manchmal geht es darum, geduldig zu warten.

 

Du brauchst keine Erfolge und Etappenziele vorzuweisen. Alles, was zählt, ist auf dem Weg zu sein. Es ist kein linearer Weg, sondern ein zyklischer. Habe Geduld und Vertrauen in die Kräfte, die in dir und für dich wirken. Es geht nicht um ein Ziel in der Ferne, es geht um etwas Kostbares in dir.

 

Du brauchst keinen Zustand zu erreichen, wo dich das menschliche Leid nicht mehr berührt. Alles, was zählt, ist berührbar zu bleiben, mitzuschwingen mit der Freude, dem Leid, vertraut zu sein mit der ganzen Bandbreite der menschlichen Existenz. Ganz Mensch zu werden.

 

Du brauchst nicht so viel tun, um auf deinem Weg voranzukommen. Alles, was zählt, ist mehr zu sein. Du darfst dem mehr Raum in deinem Leben geben, was dein Herz singen lässt. 

      

Du brauchst nicht andere um Rat fragen. Alles, was zählt, liegt bereits in dir. Am Anfang wirst du nicht gleich Antworten finden. Lerne – nach Rilke – die Fragen liebzuhaben. 

 

 

Über die Geduld

(von Rainer Maria Rilke)

 

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären...

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit...

Man muss Geduld haben

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

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